|
Mit dem Wohnmobil gen Norden! |
| Schon im Januar stand
für uns fest:
Dieses Jahr machen wir wieder Urlaub im Wohnmobil! Das geeignete Gefährt für uns war recht schnell gefunden, denn es musste erneut eine kuschelige Rundum-Sitzgruppe darin sein. Auch bei unserer ersten Reise mit einem Wohnmobil, die wir vor einigen Jahren nach Bayern machten, hatten wir diese Aufteilung. |
Unser Fahrziel sollte eigentlich Dresden sein. Durch die Schneemassen des Winters war bei der Schneeschmelze im Frühjahr jedoch mal wieder ein Hochwasser zu befürchten und so disponierten wir um. Unsere Fahrt sollte nun zur Elbmündung und hinüber über die Elbe gehen.
Aus dem Internet hatte ich Fahrtrouten und Campingplätze herausgesucht. In unserer Wohnung stauten sich Kartons und Kisten mit dem Kompletten Haushaltsdingen, die für 14 Tage nötig waren. Am Freitag, den 12. Mai holten wir bei der Firma GEIKO unseren "Bobby" ab. Nach einer ausführlichen Einweisung durch Herrn Geikowski, bei der er nichts auszulassen schien, bestiegen wir jenes Gefährt, das 14 Tage lang unser Fortbewegungsmittel und Hotel sein würde. Die Fahrt nach Hause war die erste Übungsfahrt. Mit seinen 5,97 m Länge und dem hohen Aufbau hat man schon fast einen Kleinlaster "unterm Hintern". Kaum hatten wir das Wohnmobil mit der auffälligen hübschen Sonne abgestellt, wurde unser neues Zuhause bereits von den Nachbarn bewundert. Nach dem Essen begann ich den Wagen zu beladen. Bettzeug, Töpfe, Geschirr, Lebensmittel, Getränke usw. Am nächsten Tag kam dann noch unser Zeug hinein (Nachtzeug, Unterwäsche, Hosen, T-Shirt, Jacken, Schuhe). Was Dickes für kalte Tage, was Dünnes für warme Tage. Man weiß nie, was Petrus so an Wetter über uns hereinbrechen lässt und so ein großer "rollender Koffer" hat doch etwas Verführerisches. Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, kam dann die Stunde der Wahrheit. Wir fuhren bei einer großen Firma auf die Waage, um zu überprüfen, ob wir auch nicht den "Bobby" überladen hatten. Bei unserer Bayernfahrt hatte der Mann an der Waage mich grinsend gefragt, ob ich denn auch noch mit wollte. Dieses mal brauchte ich jedoch nichts mehr auspacken. Nach einer erneuten Probefahrt mit dem beladenen Fahrzeug stellten wir ihn in einer ruhigen Seitenstraße ab. Nach der Packerei gingen wir Duschen, aßen Abendbrot und gingen zeitig zu Bett. Am nächsten Morgen hieß es um fünf Uhr aufstehen.
Unser privater Stellplatz mit Ausblick auf die Elbe |
Mit Musik und guter
Laune ging es am Sonntagmorgen um sieben Uhr los. Unterwegs machten wir
nur drei Mal Rast. Gefrühstückt wurde im eigenen Zuhause.
Das Wetter war gemischt, von allem ein bisschen, doch je weiter wir gen Norden kamen, desto schöner wurde es. Auch unsere Stimmung stieg. Hier, wo man so weit schauen kann, das man am Morgen sieht, wer am Nachmittag zum Kaffee kommt, wurden wir schon erwartet. Gegen vierzehn Uhr erreichten wir Cuxhaven. |
Seenotrettungskreuzer "Hermann Helms" |
Zu Gast an Bord |
Nachdem wir in einem Lokal zu Mittag gegessen hatten, parkten wir unseren "Bobby" auf den privaten Parkplatz des Segelclubs, bei dem einer der freiwilligen Rettungsmänner sein eigenes Schiff liegen hat. Dann besuchten wir unsere Freunde auf dem Seenotkreuzer "Hermann Helms". Bei Kaffee und Tee wurden Neuigkeiten ausgetauscht. Ganze fünf Tage hatten wir für unseren Besuch in Cuxhaven eingeplant, dann wollten wir weiter nach Schleswig-Holstein hinüber.
Kaum kehrten wir in unseren "Bobby" zurück, klopfte es an der Tür. Eine langjährige Freundin hatte schon auf uns gewartet. So verging die Zeit bis zum Abend viel zu schnell, dann hieß es Betten bauen. Wir bevorzugten für einen guten Schlaf die Sitzecke, die sich mit wenigen Handgriffen in ein breites gemütliches Bett umwandeln ließ. Da wir nur zwei Personen waren, konnten wir den Alkoven über dem Fahrerhaus als Stauraum und Ablage für das Bettzeug nutzen.
Eigentlich fühlten wir uns als "alte Hasen", was das Campen anbetraf. Ich zumindest, da ich mit meinem verstorbenen Mann einige Jahrzehnte einen Wohnwagen besessen hatte. Außerdem waren wir vom Chef des Unternehmens so sorgfältig eingewiesen worden, das wirklich nichts mehr schief gehen konnte. So dachten wir. Und dann wollte ich zur Toilette. Auf ging die Tür ja, aber wie zum Teufel macht man das Ding von innen zu? Ich hatte es eilig und keine Zeit zum Überlegen, also musste mein Göttergatte von außen nachhelfen. Ein paar Minuten später: Ich begann innen an dem Knopf zu fummeln. Verflixt! Irgendwie muss das Ding doch wieder aufgehen. Ich bekam Panik. Hoffentlich war er noch nicht eingeschlafen. "Schätzchen, mach' mal offen...." brüllte ich los. Wahrscheinlich haben sich draußen die nächtlichen Spaziergänger genau so erschrocken wie mein Mann.
Kaum aus dem Gefängnis befreit, habe ich mir dann die Technik bei offener Tür angesehen und auch sofort kapiert, wenn man von draußen am Knopf drückt, um die Tür zu schließen, muss man innen natürlich ziehen. Damals mussten wir am Knopf drehen. Also eine ganz neue Technik und gewöhnungsbedürftig.
Zwei Tage später gab es erneut Herzklopfen und das schon am frühen Morgen. Ich schaute vor dem Gang ins Bad automatisch auf den Anzeiger für das Brauchwasser und bekam einen Schreck. Am Abend zeigte er nur halbvoll an und nun schien irgendeine geheimnisvolle Quelle angestochen zu sein. Der war laut Anzeige voll. Also mit Nachtzeug rein in die Plünnen, Motor angeschmissen, Tor auf und hinüber zum Anleger der Wappen von Hamburg.
"Wappen von Hamburg" am Abend |
Dort ist ein großer Stellplatz für Wohnmobile und auch eine Station, wo man Brauchwasser und Toiletten entsorgen kann. Außerdem kann man Frischwasser auftanken. Allerdings hatten wir damit so unsere Schwierigkeit, denn bei all' den vielen Steckverbindungen, die wir dabei hatten, fehlte genau die, die wir hier gebraucht hätten. Mein Mann versuchte dann zu improvisieren, mit dem Ergebnis, das wir beiden gleich geduscht wurden. |
Mit frischen Brötchen, die wir dort am Kiosk bestellen konnten, ging es dann zurück. Am selben Tag noch fuhren wir mit dem "Bobby" zu unseren Freunden nach Otterndorf, einer malerischen kleinen Stadt mit einem intakten Altstadtkern. Am Hadelner Kanal haben sie ihr Haus. Dort füllten wir auch unseren Trinkwasservorrat auf und erwarben eine passende Verbindung.
In Otterndorf am Hadelner Kanal |
"Bobby" versperrt die Einfahrt unserer Freunde |
Die Tage wurden immer kühler. Es wehte ein heftiger Wind aus Nordwest. Bei Hochwasser bildete sich am Donnerstag eine kleine Pfütze auf einer Seite des Parkplatzes. Aber eigentlich war das kein Grund zur Beunruhigung. Am Freitagnachmittag, unserem letzten Tag in Cuxhaven, waren wir zum Kaffee bei unserer Bekannten eingeladen. Als wir gegen fünf Uhr über den Deich kamen, sahen wir die Bescherung. Unser Parkplatz lief soeben voll. Von der Grimmershörner Bucht kam das Wasser Richtung Einfahrt. Nun hieß es schnell sein.
Unser Privatplatz steht voll Wasser |
Wir rannten den Deich hinab. Während mein Mann am Steg das Kabel vom Strom löste, zog ich mir Schuhe und Strümpfe aus. Das Kabel lag auf einer Mauer. Zwar im Trockenen, aber die Mauer war mitten im Wasser. Mein Schatz hat lange Beine, der kam mit einem Riesenschritt trocken ins Auto. Ich musste indessen auch noch bis zum Tor und das öffnen. Und als er hindurch war, wartete ich vergebens, das er anhielt. In seiner Aufregung hatte er mich total vergessen. Zum Glück wurde seine Flucht auf der anderen Seite von einem weiteren riesigen See gestoppt. Die Zugangsstraße war unter Wasser. |
| "Und was machen
wir jetzt?" fragte mein Männe entsetzt, als ich mit meinen geschundenen
Füßen bei ihm ankam. Mir fiel nur eine Antwort ein.
"Abendbrot!"
Das Hochwasser ging schnell zurück. Die letzte Nacht verbrachten wir (vorsichtshalber) vor dem Stationsgebäude der Seenotretter. Nach einem guten Frühstück und einem herzlichen Abschied von unseren Freunden auf der "Hermann Helms" ging es Richtung Wischhafen weiter. |
Auf der Fähre von Wischhafen nach Glückstadt |
Eingeklemmt zwischen
PKW's und anderen Wohnmobilen setzten wir mit der Fähre über die Elbe
nach Glückstadt. In Schleswig - Holstein ging es weiter Richtung Heide +
Rendsburg.
Unser Ziel war Friedrichstadt, ein kleines Holländerstädtchen an Eider und Treene. Um die Mittagszeit erreichten wir den Campingplatz am Ortseingang. Obwohl es gerade wie aus Eimern schüttete, wurden wir herzlich vom Platzwart begrüßt. Diese Herzlichkeit begegnet uns auch in den nächsten Tagen bei unseren Exkursionen in den Ort. Zuerst war einmal Bootfahren angesagt. Bootsführer Thomas versorgte uns |
Mit dem Boot geht es durch die Grachten |
Bootführer Thomas weiß vieles zu berichten |
Vor dem alten Brunnen auf dem Marktplatz |
mit viel Wissenswertem
über die Entstehung und Geschichte des Ortes. Auch viel Lustiges war
dabei. Wir genossen die Stunde bei ihm an Bord. Anschließend kehrten wir
in das neue Lokal ein, das beim Anlieger erbaut worden war. Es zeichnete
sich durch besondere Malereien im Innenbereich aus.
|
|
Ein Schiff das gegen den Tisch fährt |
|
Eine offene Tür, die eigentlich zu ist |
Zu den Fahrtzeiten der
Schiffe füllte sich jedes mal das Lokal. Die Menschen kamen vorher, um
sich die Wartezeit mit einem Getränk zu verkürzen, oder hinterher, um zu
essen. Meistens hatten sie es eilig, weil ein Bus auf sie wartete. Busse
dürfen nicht nach Friedrichstadt hinein.
Wir hatten es nicht eilig, denn unser Zuhause stand 10 Minuten vom Anleger entfernt auf dem Campingplatz. Und so lernten wir in dem Trubel von raus und rein eilenden Menschen zwei ganz besondere Typen kennen. |
Frau Ente (Liebling des Chefs) |
Und Herr Erpel folgt ihr treu überall hin |
Wann immer die Tür des Lokals aufstand und jemand hineinkam, folgten die Zwei, voran natürlich "Frau Ente". Mit lautem Geschnatter gaben die beiden ihre Bestellung auf. Der Koch kam grinsend hinter dem Tresen hervor und hütete sie wieder hinaus. Entschuldigend meinte er dann: "Der Chef füttert die immer!" Na so sahen sie auch aus, gut genährt und glücklich. Gemeinsam wackelten sie dann zum Anleger hinunter, wo immer etwas für sie abfiel.
| Seit kurzem gab es in
Friedrichstadt aber noch eine Attraktion: Modellbahn-Zauber. In einer
großen Halle kann man den Verkehr auf Schienen im Miniaturmaß beobachten
und bewundern.
Mein Mann ist ein großer Eisenbahnfan. Er filmt für sein Leben gern die großen fauchenden Ungetüme, die es inzwischen immer seltener zu sehen gibt. Außerdem liebt er sie auch in klein. Er hat selbst eine Sammlung davon. Also war es ein Muss, der Besuch beim Modellbahn-Zauber. |
| Und dann kam die
Rückfahrt! Die Brücke über die Eider war gesperrt, also suchten wir uns
einen anderen Weg. Schließlich fanden wir eine kleine Fähre und auch
dort machte ein Entenpärchen regen Gebrauch von der kostenlosen
Mitfahrgelegenheit.
Wir wollten noch eine Übernachtung einlegen und hatten uns dafür einen neuen Campingplatz in Bremen ausgeguckt. Am Stadtwaldsee gab es extra eine verbilligte Möglichkeit für Wohnmobile nur zum Übernachten. Gegen 18 Uhr trafen wir dort ein, entrichteten unseren Obolus und suchten uns ein nettes Fleckchen. Nahe |
| der Entsorgungsstation verbrachten wir unsere letzte Nacht im "Bobby". Am anderen Morgen machte ich Frühstück und dann konnte es losgehen. Die Heimat war nah. Um die Mittagszeit trafen wir in Witten ein. Ich blieb gleich unten und begann mit dem Ausladen, während mein Mann die vollen Körbe in die Wohnung schaffte. Danach hieß es putzen, denn am nächsten Morgen mussten wir unser lieb gewonnenes Zuhause wieder hergeben. Wir waren uns einig, die Zeit war viel zu kurz. Und sicher gibt es auch ein nächstes Mal. Marlis Kittel | |
| Homepage |
|